
Das Ende von SWIFT? Chinas neue Zahlungswege in Afrika

Von Jackson Okota
Während China seine wirtschaftliche Präsenz in Afrika weiter verstärkt, tritt die Beziehung in eine neue Phase ein, die Ziegel und Mörtel hinter sich lässt.
Der Pekinger Aktionsplan für 2025 bis 2027 umfasst Unterstützung für 30 Projekte von Infrastrukturverbindungen quer durch Afrika, während Länder wie Kenia und Uganda bereits durch von China gestützte Transportverbindungen wiederbelebt werden, wie die Verlängerung der Normalspurbahn und die Autobahn Rironi-Mau Gipfel in Richtung auf die ugandische Grenze.

Für Analytiker, die die finanzielle Zukunft des Kontinents im Blick haben, sind diese Entwicklungen nicht nur deshalb bedeutend, weil sie Waren bewegen, sondern auch, weil sie die kommerziellen Fundamente für ein paralleles Zahlungssystem legen könnten, das rund um Chinas digitale RMB (digitaler Yuan/e.CNY) aufgebaut ist und möglicherweise den afrikanischen Volkswirtschaften einen schnelleren, weniger vom Dollar abhängigen Weg zu handeln verschafft.
Die westlich dominierten weltweiten Zahlungssysteme, die rund um SWIFT und die vermittelnden Banken angelegt sind, wurden schon lange für ihre hohen Transaktionskosten, Verzögerungen und ihre Verwundbarkeit gegenüber geopolitischem Druck kritisiert. Aber da China seine grenzüberschreitenden digitalen Zahlungssysteme ausweitet, während es seine Verbindungen nach Afrika vertieft, sagen Analytiker, diese Plattform könnte eine bedeutende Veränderung darstellen, wie der Kontinent Geld über Grenzen bewegt.
"Das Potential, den westlich kontrollierten Finanzsystemen weniger ausgeliefert zu sein"
Michael Owuor, ein in Nairobi (Kenia) ansässiger Experte für Entwicklung und grenzüberschreitend organisiertes Verbrechen, beoachtet, dass für viele Länder Afrikas Chinas digitaler Yuan "langsame die traditionellen weltweiten kommerziellen Beziehungen neu definiert, indem er eine alternative Handelsplattform bietet".
"Für afrikanische Volkswirtschaften hat diese neue, grenzüberschreitende Plattform das Potenzial, die regionalen und kontinentalen Handelssysteme zu beschleunigen, die Auslieferung an westlich kontrollierte Finanzsysteme und politisch eingefädelte Sanktionen zu verringern und die finanzielle Inklusion zu stärken, nach der der Kontinent sich sehnt", sagte Owour, der im Globalen Zentrum für Politik und Strategie (GLOCEPS) arbeitet, einer in Nairobi angesiedelten Denkfabrik.
Laut Owuor eröffnet der digitale Yuan Afrika, einer Region, die tief in Chinas Neue Seidenstraße (BRI) integriert ist und sich zunehmend auf digitale Finanzlösungen verlässt, verschiedenste Möglichkeiten.
"Diese Plattform ist ein Teil der breiteren Bemühungen Chinas, es globalen Unternehmen und Konsumenten zu erleichtern, direkt miteinander in Yuan zu handeln, ohne auf Reservewährungen wie den US-Dollar zurückzugreifen", sagte Owuor gegenüber RT.
Schneller und billiger
Owuor merkt an, dass Chinas digitaler Yuan, weil er auf der Blockchain-Technik beruht, grenzüberschreitende Zahlungen schneller, billiger und transparenter machen kann.
"Die auf Blockchain beruhende Architektur des digitalen RMB verringert die Zeit für grenzüberschreitende Transaktionen auf Sekunden, anders als die traditionellen Zahlungen über SWIFT, die oft drei bis fünf Arbeitstage brauchen und dazu viele vermittelnde Banken benötigen. Daraus folgen hohe Kosten bei jedem Schritt des Zahlungsprozesses und Verzögerungen bei der Durchführung der Transaktion", sagte Owuor.
Die Plattformen des digitalen RMB verkürzen die Abwicklungszeit beinahe auf Echtzeit und können die Kosten um 40 bis 60 Prozent oder mehr verringern. Diese Effizienz, so Owuor, sei besonders wirkungsvoll bei sich entwickelnden Volkswirtschaften, bei denen die Verzögerung und die hohen Kosten grenzüberschreitender Zahlungen Handel, Investitionen und Kapitaltransfers lange behindert haben.
"Die in dem System eingebauten smarten Verträge setzen automatisch Regulierungsanforderungen durch, verringern die Gefahr von Betrug und erhöhen die Transparenz", fügte er hinzu.
"Wachsende Skepsis gegenüber der Dominanz des US-Dollars"
Joseph Kimotho, unabhängiger Berater und Spezialist für Entwicklungsfinanzen in Nairobi, meint, die wirtschaftlichen Strafmaßnahmen der Trump-Regierung gegenüber Ländern des globalen Südens hätten "unabsichtlich die Nachfrage nach alternativen Finanzplattformen gestärkt".
"Es ist kein Geheimnis, dass die Skepsis gegenüber der Dominanz des US-Dollars im Welthandel zunimmt. Washingtons Einsatz der Zollpolitik als Waffe, als Werkzeug für wirtschaftliche und politische Sanktionen macht den digitalen RMB zu einer vielversprechenden und höchst willkommenen Option", wie Kimotho gegenüber RT erläuterte.

Kimotho meint, Chinas Zahlungssystem biete eine Alternative, insbesondere für Länder, die "sich gegen US-Sanktionen und Dollar-Abhängigkeit absichern wollen", dabei aber ihre Präsenz im internationalen Handel beibehalten.
Er sagte, Afrikas Integration in BRI mache es zu einem natürlichen Nutznießer der Erweiterungsbestrebungen der Plattform, und merkte an, dass das System, das "digitale Seidenstraße" genannt wird, wahrscheinlich alle Zahlungen und Transaktionen im Rahmen der BRI absichern wird.
"Das wird wahrscheinlich dazu führen, dass die Zentralbanken im Globalen Süden den Yuan als Teil ihrer Devisenreserven halten", meinte er.
"Afrika muss sich gegen zu großes Vertrauen in eine Währung absichern"
Isaac Shinyekwa, Leiter der Abteilung für Handel und regionale Integration im Zentrum für Wirtschaftspolitik in Kampala, merkt an, das Auftauchen des digitalen Yuan in Afrika könne seine Integration mit kontinentalen Zahlungsinfrastrukturen, wie dem Panafrikanischen Zahlungs- und Ausgleichssystem (PAPPS) beschleunigen.
"Die Verankerung von PAPPS im regionalen und kontinentalen Handel, in Verbindung mit strategischer Zusammenarbeit mit der grenzüberschreitenden Zahlungsplattform in RBM könnte es den afrikanischen Ländern ermöglichen, für innerregionale Transaktionen SWIFT zu umgehen und gleichzeitig Kosten und Verzögerungen zu verringern", sagte er.
Shinyekwa fügte hinzu, effiziente grenzüberschreitende Zahlungssysteme seien für eine Freihandelszone auf dem afrikanischen Kontinent unverzichtbar, die aus 1,3 Milliarden Menschen einen einzigen Markt schaffen will.
"Die Geschwindigkeit und die niedrigen Kosten des digitalen RMB könnten schnellere Kapitalbewegungen erleichtern und so den innerafrikanischen Handel stärken. Seine Einführung in Afrika könnte die Integration der Region beschleunigen, die Verwundbarkeit durch US-Sanktionen verringern und die finanzielle Inklusion und den Handel fördern", sagte Shinyekwa.
In näherer Zukunft sieht Owuor eine Situation, in der aus China finanzierte Infrastrukturprojekte in Afrika wahrscheinlich direkt über diese digitalen Zahlungsplattformen finanziert werden. Er warnt jedoch, dass dieser Übergangsprozess sorgfältig gestaltet werden muss.
"Es ist unverzichtbar, die regulatorischen, technischen und geopolitischen Herausforderungen und Möglichkeiten sorgfältig zu bearbeiten, darunter auch die Datenrechte der Nutzer und der Länder. Afrika muss sich davor hüten, sich zu sehr auf eine einzelne Währung oder ein einzelnes System zu verlassen, und so neue Formen finanzieller Abhängigkeiten vermeiden", schließt Owuor.
Übersetzung aus dem Englischen
Jackson Okota ist ein preisgekrönter Journalist, der in Nairobi lebt und der auf CNN, im Guardian, bei Reuters, China Dialogue, Openly, AllAfrica, Mongabay, Inter Press Service, Zenger News und Al Jazeera English veröffentlicht.
Mehr zum Thema — Rekord bei Handelsüberschuss: China trotzt US-Zöllen mit boomenden Exporten auf andere Märkte
RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.
Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

